LinkedIn-Ranking: Bremen gehört zu Deutschlands wachstumsstärksten Regionen
„Cities on the Rise 2026“ zeigt, welche Branchen Bremens Arbeitsmarkt antreiben – und warum die Stadt für Fachkräfte interessant ist
Text: Sandra Prawitt
Bild: Copyright: WFB / Carina Tank
Bremen hält sich mit Eigenlob meist zurück. Gut, dass es andere für uns übernehmen.
Im LinkedIn-Ranking „Cities on the Rise 2026“ von LinkedIn News DACH belegt Bremen Platz eins – vor allen anderen untersuchten deutschen Städten und Regionen außerhalb der großen Metropolen. Mehr Neueinstellungen, mehr ausgeschriebene Stellen, und mehr Fachkräfte, die herziehen als wegziehen.
Das heißt konkret: Hier entstehen gerade die Jobs, für die viele erst mal nach Berlin oder München schauen. Industrie, Luft- und Raumfahrt und IT suchen qualifiziertes Personal – bei Arbeitgebern wie Airbus, die internationale Projekte mit den kurzen Wegen einer überschaubaren Großstadt verbinden.
Bremen muss sich dafür nicht neu erfinden. Die Stadt baut auf dem auf, was sie seit Jahrzehnten kann, und macht daraus neue berufliche Möglichkeiten.
Was bringt Bremen im LinkedIn-Ranking an die Spitze?
Für „Cities on the Rise 2026“ hat die Redaktion von LinkedIn News DACH gemeinsam mit der Datenanalyse von LinkedIn ausgewertet, wie sich die Arbeitsmärkte deutscher Städte und Regionen entwickeln. Grundlage sind anonymisierte und zusammengefasste Daten aus Millionen deutscher LinkedIn-Mitgliederprofile, ausgewertet vom 1. März 2024 bis zum 1. Februar 2026.
Über die Platzierung entscheiden drei Fragen:
- Wie entwickelt sich die Zahl der Neueinstellungen?
- Werden mehr Stellen ausgeschrieben?
- Ziehen mehr Fachkräfte in eine Region, als sie verlassen?
Bremen liegt in dieser Rechnung vorn – und das nicht, weil die Stadt groß ist. Berlin, Hamburg und München sind gar nicht dabei. Gewertet wurden Städte und Regionen mit 100.000 bis einer Million LinkedIn-Mitgliedern. Bremen punktet also mit Dynamik, nicht mit Masse.
Als Wachstumstreiber nennt die Auswertung die Herstellung von Transportausrüstung, den Maschinenbau sowie IT-Dienstleistungen und IT-Beratung. Die meisten Neueinstellungen verzeichnen unter anderem Airbus und die Universität Bremen: Luft- und Raumfahrt sowie Wissenschaft ziehen hier gleichzeitig an.
Bremens Spitzenplatz ist kein Größeneffekt: Gewertet wird die Zunahme von Neueinstellungen und Stellenanzeigen im Verhältnis zur Zahl der LinkedIn-Mitglieder – und das Verhältnis zwischen zugezogenen und abgewanderten Fachkräften. Bremen wächst aus eigener Kraft.
Bremen entwickelt seine industrielle Stärke weiter
Die Redaktion von LinkedIn News DACH bezeichnet Bremen als Transformationsstadt: als Standort, der auf seiner industriellen Geschichte aufbaut und daraus neue wirtschaftliche Schwerpunkte entwickelt. Das trifft Bremen ziemlich genau.
Hafen, Schifffahrt, Fahrzeugbau, Stahl und Logistik bleiben das Fundament – bei Unternehmen wie dem Mercedes-Benz Werk Bremen und BLG Logistics. Darauf ist gewachsen, was heute Fachkräfte anzieht: Luft- und Raumfahrt bei Airbus, IT und digitale Dienstleistungen bei Unternehmen wie team neusta, dazu Forschung und wissenschaftliche Dienstleistungen. Keiner dieser Bereiche fängt bei null an. Alle greifen auf technisches Wissen und industrielle Erfahrung zurück, die am Standort seit Jahrzehnten vorhanden sind.
Die Zahlen stützen das. Für das erste Halbjahr 2025 meldete das Statistische Landesamt ein Wirtschaftswachstum von 2,9 Prozent im Land Bremen. Die Zahl der sozialversicherten Beschäftigten in der Stadt Bremen stieg binnen eines Jahres um 3.180 auf 302.219, wie der Bericht zur Lage 2026 der Arbeitnehmerkammer Bremen ausweist.
Besonders deutlich wächst es dort, wo Bremen bisher unterdurchschnittlich aufgestellt war: Bei den freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen kamen 2025 790 Stellen hinzu, ein Plus von 3,1 Prozent. Im Bereich Information und Kommunikation entstanden fast 300 zusätzliche Arbeitsplätze, ein Plus von 2,1 Prozent. Auch in der Energie- und Wasserversorgung sind viele neue Stellen entstanden, beispielsweise bei swb und hanseWasser.
Auch der Arbeitsmarkt bewegt sich: Im Mai 2026 waren im Land Bremen 815 Menschen weniger arbeitslos gemeldet als ein Jahr zuvor. Vor allem im Dienstleistungsbereich wird weiter Beschäftigung aufgebaut – und gezielt nach qualifizierten Arbeitskräften gesucht, berichtet die Bundesagentur für Arbeit.
Die besondere Rolle der Verteidigungsindustrie
Kräftigen Schub gibt es auch aus der Verteidigungsindustrie. Nach Schätzungen der IG Metall arbeiten im Land Bremen rund 10.000 Menschen in der Branche, viele Unternehmen haben volle Auftragsbücher und wollen weitere Stellen besetzen, berichtet buten un binnen. Interessant dabei: Die Arbeitnehmerkammer ordnet einen großen Teil dieser neuen Stellen den wissensintensiven Dienstleistungen zu – es geht also um Entwicklung, Software und Systemtechnik, nicht allein um Produktion. Das sind gut bezahlte, technisch anspruchsvolle Jobs. Zugleich hängt dieses Wachstum an politischen Entscheidungen, und die Rüstungsproduktion bleibt gesellschaftlich umstritten. Wer ehrlich über den Standort spricht, nennt beides.
Kurze Wege und bezahlbares Wohnen stärken den Standort
Wer für einen neuen Job umzieht, rechnet nicht nur das Gehalt. Wohnkosten, Arbeitsweg und Freizeit zählen genauso und hier spielt Bremen seinen größten Vorteil aus.
Im Vergleich mit 15 anderen deutschen Großstädten kann sich ein durchschnittlicher Haushalt laut LinkedIn News DACH in Bremen am ehesten Wohneigentum leisten. Dazu die kurzen Wege: Viele Menschen fahren mit dem Rad oder der Straßenbahn zur Arbeit, der Flughafen liegt nah an der Innenstadt, das Umland ist schnell erreichbar.
Diese Mischung zählt im Wettbewerb um Fachkräfte: Bremen bietet die Aufgaben einer Großstadt und einen Alltag, in dem man abends noch etwas vorhat. Mit dem Rad nach der Arbeit entlang der Weser zur Feierabend-Aktivität radeln? Das geht in Bremen wunderbar!
Ein gutes Signal mit einer klaren Aufgabe
„Cities on the Rise 2026“ ist keine Vollerhebung des Bremer Arbeitsmarkts. Die Auswertung beruht auf Profilen und Stellenangeboten einer Karriereplattform, Berufe mit wenig LinkedIn-Nutzung erscheinen dort seltener.
Am Befund ändert das nichts: Bremen zieht Fachkräfte an und schafft neue Stellen in Industrie, Forschung und digitalen Dienstleistungen. Die Stadt entwickelt ihre Stärken weiter, statt sich wirtschaftlich neu erfinden zu müssen.
Damit möglichst viele davon profitieren, braucht es Ausbildung, Weiterbildung und gute Übergänge zwischen Betrieben, die Personal abbauen, und solchen, die dringend suchen. Daran arbeitet der Standort – gemeinsam mit Unternehmen, die ausbilden und Verantwortung übernehmen.
Bremen wächst. Ohne große Geste und ohne dicke Hose. Eigentlich ziemlich bremisch.
Quellen
LinkedIn News DACH: „Cities on the Rise 2026“
Arbeitnehmerkammer Bremen: Bericht zur Lage 2026
Bundesagentur für Arbeit: Arbeitsmarkt im Land Bremen, Mai 2026
Radio Bremen/buten un binnen: Entwicklung der Bremer Verteidigungsindustrie