Berufsstart in Bremen: Gute Aussichten, echte Einblicke

Für junge Berufsstarter zählt mehr als das Gehalt – Bremer Unternehmen hören zu und reagieren

Text: Joy-Marie Heuer
Bild: Copyright: WFB / Jonas Jaromir Schmidt

Ausbildung, duales Studium oder der erste Job nach dem Abschluss: Am Anfang des Berufslebens stehen jungen Menschen viele Wege offen. Aber wonach entscheiden diese eigentlich, welchen sie einschlagen? Das Gehalt allein ist es jedenfalls nicht, was für sie zählt. Entwicklungsmöglichkeiten, sinnvolle Aufgaben und eine gute Arbeitskultur sind mindestens ebenso wichtig.

Bremen hat hier einiges zu bieten: Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Branchen, ein breites Spektrum an Ausbildungsberufen und viele verschiedene Wege in den Beruf – von der klassischen Ausbildung über das duale Studium bis zum Direkteinstieg. Eine aktuelle Studie und Stimmen aus der Region geben einen Eindruck davon, was der Generation Z im Berufsleben wichtig ist und welche Ansätze Bremer Unternehmen bereits umsetzen.

Sinn, Entwicklung und ein Job, der passt

Die Gen Z and Millennial Survey 2025 von Deloitte zeigt: Für junge Menschen bedeutet berufliche Entwicklung nicht automatisch, auf der klassischen Karriereleiter nach oben zu steigen. Für die Studie wurden weltweit rund 23.500 Menschen befragt, darunter mehr als 800 in Deutschland.

In Deutschland geben 86 Prozent der Befragten aus der Generation Z an, dass Sinnhaftigkeit für ihre Zufriedenheit im Job wichtig ist. Gleichzeitig entwickeln 69 Prozent mindestens einmal pro Woche gezielt ihre Fähigkeiten weiter. Nur rund zehn Prozent nennen eine Führungsposition als wichtigstes Karriereziel.

Für Arbeitgeber heißt das: Ein sicherer Arbeitsplatz ist wichtig, reicht allein aber nicht. Gen Z erwartet:

  • Lernmöglichkeiten,
  • Wertschätzung, 
  • sinnvolle Aufgaben und 
  • persönliche Entwicklung.


Bremer Nachwuchskräfte wollen ihre Ausbildung mitgestalten

Dass diese Erwartungen auch junge Menschen in Bremen beschäftigen, zeigt die Zukunftswerkstatt „IT meets Logistik“. Auszubildende und dual Studierende aus der Region entwickelten dort ihre Vorstellungen von einer guten Ausbildung im Jahr 2030.

Auf ihrer Wunschliste stehen: 

  • Eigenständigkeit
  • bessere Lernumgebungen
  • mehr Raum für Kreativität
  • flexible Wege zum Wissen und 
  • echte Mitgestaltung

Wichtig sind ihnen außerdem Wertschätzung, Nachhaltigkeit und ein verantwortungsvoller Umgang mit künstlicher Intelligenz.

 

„Ich möchte selbst ausprobieren, mich einbringen, Verantwortung übernehmen, auf Augenhöhe unterstützt werden – und wissen, wofür ich etwas tue.“

Teilnehmerin der Bremer Zukunftswerkstatt „IT meets Logistik“

 

Die Stimmen aus der Zukunftswerkstatt sind zwar nicht repräsentativ für alle Nachwuchskräfte in Bremen. Sie geben aber einen konkreten Einblick in die Erwartungen von Auszubildenden und dual Studierenden aus Logistik und IT und passen in vielen Punkten zu den Ergebnissen der Deloitte-Studie.

Bremen beweist im Bildungsmonitor den digitalen Fortschritt

Bremen ist top aufgestellt, wenn es um Ausbildung im IT-Bereich geht. Auf 100.000 Erwerbstätige kommen hier 75,7 Ausbildungsverträge. Im ganzen Land sind es nur 39,7. Bremen liegt hier ganz vorne. Und auch bei den IT-Hochschulabsolventinnen und -absolventen pro 100.000 Erwerbstätige liegt Bremen vorne (Bremen: 164,8; Bundesdurchschnitt: 91,3). Außerdem schneidet Bremen leicht überdurchschnittlich bei der Ausstattung der Schulen mit schnellem WLAN ab.

Von der Werkshalle bis zum Hörsaal

Die Möglichkeiten für den Berufsstart sind in Bremen vielfältig. Sie reichen von kaufmännischen und handwerklichen Berufen bis zu IT, Logistik, Industrie sowie Luft- und Raumfahrt.

Die mehr als 45 Mitgliedsunternehmen von BREM.jetzt decken fast jede dieser Branchen ab: 

  • Fahrzeugbau und Luft- und Raumfahrt, 
  • Hafen und Logistik, 
  • Lebensmittel und Kaffee, 
  • Energie- und Wasserwirtschaft, 
  • Finanzen, Versicherung und Gesundheit,
  • IT, Digitales und Medien


Vom kleinen Kreativbüro bis zum internationalen Industriekonzern: Die Arbeitgeber sind verschieden – und damit auch ihre Ausbildungsberufe.

Die Wege dorthin sind genauso vielfältig: eine klassische duale Ausbildung, ein duales Studium parallel zum Job, ein Praktikum oder Werkstudium als erster Einblick oder der Direkteinstieg nach dem Abschluss. Und nach der Ausbildung geht es weiter – etwa mit einer Weiterbildung, einer Spezialisierung oder der Meister- und Fachwirtausbildung.

Auch der Hochschulstandort bietet mehrere Wege. An fünf staatlichen und fünf privaten Hochschulen studieren derzeit knapp 40.000 Menschen – von der Universität Bremen bis zu spezialisierten Fachhochschulen. Bremen ist auch für Studien-Interessierte aus anderen Bundesländern attraktiv. In Relation zur Zahl der Bremer Schulabsolventinnen und Schulabsolventen, die ein Studium in einem anderen Bundesland aufnehmen, zieht Bremen die zweitmeisten Studienanfängerinnen und Studienanfänger aus anderen Bundesländern an.

Wer eine Ausbildung sucht, findet neben bekannten Berufen auch Angebote, die eng mit dem Standort verbunden sind. Dazu gehören Ausbildungen

  • in Spedition und Logistik,
  • im Bootsbau,
  • im Seilerhandwerk sowie
  • in der Elektronik für Maschinen- und Antriebstechnik.

Echte Einblicke machen den Unterschied

Ein Ausbildungsberuf kann spannend sein. Wenn junge Menschen aber kaum wissen, was sich dahinter verbirgt, landet er selten auf der Berufswunschliste. Eine Stellenanzeige beantwortet schließlich nicht alle Fragen: Wie sieht der Arbeitsalltag aus? Wer begleitet die Ausbildung? Und welche Wege stehen danach offen?

Das erlebt auch das Bremer Logistikunternehmen BLG. Vielen potenziellen Interessenten sei nicht bewusst, wie vielfältig die Aufgaben in der Logistik sind und welche beruflichen Wege das Unternehmen bietet. Deshalb will BLG anhand konkreter Beispiele stärker zeigen, was Nachwuchskräfte dort erwartet.

Fazit: Die Ausbildungen in Bremen sind zukunftsfähig. Aber wir müssen Perspektiven aufzeigen

Die verschiedenen Branchen machen Bremen zu einem spannenden und vielfältigen Ausbildungsstandort. Besonders im IT-Bereich ist Bremen gut aufgestellt und zeigt damit die Zukunftsfähigkeit des Standorts. 

Doch damit junge Menschen ihre Fähigkeiten ausschöpfen und ihre passende Ausbildung finden, ist der Austausch wichtig. Berufsporträts, Besuche in Schulen und Hochschulen oder Erfahrungsberichte von Auszubildenden können Orientierung bieten. Sie machen greifbar, welche Aufgaben hinter einem Beruf stecken und wie sich Nachwuchskräfte einbringen können. So kann aus einem wenig bekannten Beruf genau der passende Einstieg werden.

 

Quellen