Green wedding: So nachhaltig kann Brautmode sein

 

Einmal im Leben das superteure Traumkleid für die Hochzeit kaufen und es dann nur ein einziges Mal tragen? Dazu gibt es nachhaltigere Alternativen. Secondhand-Brautmode beispielsweise. Und Kombinationen, die sich schnell in einen Freizeit-Look verwandeln und so noch viele Male tragen lassen. Wir haben uns das mal angeschaut.

Text: Elena Tüting, Fotos: Sandra Lachmann

Emotional sind Hochzeiten definitiv ein nachhaltiges Erlebnis: Der Tag wird dem Brautpaar und seinen Gästen lange in Erinnerung bleiben und gilt als ein fester Meilenstein in der Beziehung zweier Menschen. Drumherum gibt es bei Hochzeiten aber auch viele Dinge, die überhaupt nicht nachhaltig sind – von der Deko über die Blumen bis hin zum Brautkleid. Sehr viel Geld und Materialien werden an diesem einen Tag verbraucht, das teure Traumkleid verschwindet meist als Erinnerungsstück für immer im Kleiderschrank. Dass das nicht immer so sein muss, beweist unter anderem Carmen Heinrich mit ihrem nachhaltigen Brautkleid-Laden, in dem sie Second-Hand-Kleider, Neuware aus nachhaltigen Stoffen und Mix und Match-Outfits anbietet. 

 

Green Wedding voll im Trend

Damit liegt sie voll im Trend, denn immer mehr Hochzeitspaare legen bei ihrer Feier Wert auf Nachhaltigkeit. Das zeigen zum einen die zahlreichen Ratgeber rund um nachhaltige Hochzeiten, zum anderen die zunehmende Zahl an Unternehmen, die beispielsweise Deko aus umweltfreundlichen Materialien oder ein Buffet mit regionalen Produkten anbieten.

In einer Marktanalyse gaben 32% der Befragten an, bei der Dekoration und Speisen auf der Hochzeitsfeier auf Nachhaltigkeit zu achten. Direkt auf dem dritten Platz mit 19% liegt die nachhaltige Kleidung. Beim Hochzeitskleid geht der Trend daher weg vom pompösen teuren Glitzerkleid hin zu Second-Hand-Kleidern oder  Neukleidern, die ökologisch gefertigt sind und sich anders kombiniert durchaus wieder tragen lassen. Diesen Trend hatte Carmen Heinrich früh gespürt:

 

»Mit Secondhand-Kleider habe ich gestartet, weil es das in Bremen noch nicht gab. Ich finde die Idee einfach toll, Brautkleidern eine zweite Chance zu geben statt sie irgendwo im Kleiderschrank versauern zu lassen.«

Betritt man den Laden von Carmen, der im ersten Stock eines schicken Altbau-Gebäudes in direkter Nähe zur Vegesacker Einkaufsstraße liegt, ist jede*r, der bzw. die von einer Hochzeit im angesagten Boho-Chic träumt, im siebten Himmel. Die zwei schmalen Geschäftsräume mit hohen Decken, tiefen Fenstern und dunklem Dielenboden sind links und rechts komplett von Kleiderständern mit leichten Hochzeitskleidern aus Spitze, mit Plisseeröcken, tiefen Rückenausschnitten und anderen feinen Details gesäumt. In der Mitte des Raums befindet sich ein dunkler Holztisch mit einer kleinen Auswahl an Schuhen, auf kleinen Kommoden sind Accessoires wie Ohrringe, Haarschmuck und Blumenkränze ausgestellt. Die ganze Einrichtung des Ladens ist ebenfalls Vintage und auf Flohmärkten oder Ebay-Kleinanzeigen ergattert worden.

 

Mit Herzensthema Hochzeit in die Selbstständigkeit

In diesem traumhaften Ambiente begrüßen Carmen und ihre Mitarbeiterin Lotta Heinrich ihre Kund*innen immer mit einem herzlichen Lächeln und viel Zeit für die persönliche Beratung. »Wir machen mit unseren Kund*innen immer feste Termine aus, damit wir uns voll und ganz der Beratung widmen können. Laufkundschaft haben wir gar keine. Nur so können wir einen geschützten und intimen Raum für die manchmal auch sehr emotionale Wahl des Brautkleides bieten«, erzählt Carmen.

Sie hat sich 2019 mit der Idee eines Secondhand Brautkleid-Ladens selbstständig gemacht, nachdem diese Idee schon lange in ihrem Kopf herumschwirrte. 

»Ich habe einfach schon immer eine große Leidenschaft für Hochzeiten gehabt und liebe die Beratung von Menschen bei der Kleiderwahl. Ich wusste einfach, dass das mein Ding ist.« 

Schon ein dreiviertel Jahr, nachdem sie ihr erstes Ladengeschäft in St. Magnus mit Second-Hand Kleidern eröffnet hatte, kam das Label Catherine Deane aus London auf sie zu und wollte in das Sortiment ihres Ladens aufgenommen werden. Das Label hat mit seinen Mix & Match Modellen perfekt das Sortiment ergänzt und das zusätzliche Angebot ist bei den Kund*innen gut angekommen – so hat sich die jetzige Mischung aus Second-Hand-Kleidern und nachhaltiger Neuware ergeben.

Bei den Marken, die sie in ihr Sortiment aufnimmt, achtet Carmen darauf, dass die Kleider aus nachhaltigen Stoffen gefertigt werden oder durch das Mix & Match Styling auch nach der Hochzeit noch in Kombination mit anderen Kleidungsstücken getragen werden können. So kann beispielsweise ein schickes Spitzenoberteil, das in Kombination mit einem Seidenrock ein edles Hochzeitsoutfit ergibt, zusammen mit einer Jeans immer wieder zu verschiedenen Anlässen getragen werden. Viele der weißen Röcke können nach der Hochzeit eingefärbt und dann ebenfalls mit Shirt und Jeansjacke zu einem legeren Sommeroutfit kombiniert werden. Eine Freundin von Lotta führt verschiedene Kombinationen vor und zeigt wie wandelbar die einzelnen Kleidungsstücke sind.

 

Große Nachfrage trotz Pandemie

Im Sommer 2021 konnte Carmen Heinrich mit ihrem Laden von St. Magnus in die schönen Räumlichkeiten in dem großen Jugendstilhaus in Vegesack ziehen. Trotz zeitweise stark zurückgegangener Nachfrage während der Lockdowns ist ihr Geschäft weiter gewachsen, so dass sie jetzt Modelle von 15 verschiedenen Labels anbieten kann. 

Nach dem ersten Lockdown gab es einen richtigen Run auf ihren Laden und auch jetzt sind Carmens Kleider so sehr gefragt, dass sie Lotta als erste Mitarbeiterin eingestellt hat. Als gelernte Maßschneiderin bringt sie das Know-how mit, die Kleider direkt richtig anzupassen und abzustecken. Carmen und Lotta haben nicht nur den Nachnamen Heinrich gemein, sondern auch die große Begeisterung für Hochzeitskleider und die Sendung »Zwischen Tüll und Tränen«. Wie in der Sendung gibt es auch in Carmens Laden manchmal Gänsehautmomente, wenn die Kund*in ihr Traumkleid gefunden hat. »Da fließen dann manchmal auch die Tränen, wenn sich die Braut das erste Mal in ihrem Kleid im Spiegel sieht und ganz überrascht ist, wie schön sie aussieht.«

Für beide sei der Job ein richtiger »Glücksbooster« und der Laden ihr Happy Place, an dem sie ihre Sorgen bei der Arbeit vergessen können. 

 

Zweite Chance für Hochzeitskleider

In den Laden kommen aber nicht nur Frauen, die ein Kleid kaufen wollen, sondern auch welche, die ihr Kleid wieder verkaufen wollen, weil sie es verschwenderisch finden, es nach einem Mal tragen nur noch im Kleiderschrank hängen zu haben. »Das sind keine Frauen, die in ihrem Kleid ein sentimentales Erinnerungsstück sehen, sondern solche, die es schön finden, wenn es ein zweites Mal getragen werden kann und sie dafür auch noch etwas Geld bekommen«, erzählt Carmen. Dabei legt sie viel Wert darauf, dass die Kleider stilistisch zu ihrem Sortiment passen, nicht älter als drei Jahre sind und insgesamt in einem guten Zustand. Sollte ihr das Kleid gefallen, schließt sie mit der Besitzerin einen Kommissionsvertrag ab, in dem Preis, Kommission und eine Verkaufsfrist festgelegt sind.

Da die Nachhaltigkeit bei Hochzeiten immer gefragter wird, hat Carmen im November 2021 erstmalig eine Messe für Dienstleister*innen rund um die nachhaltige Hochzeit organisiert. Unter dem Motto »Bremer Bridenight« konnten die Bräute in einem ausgelassenen Partyambiente Musiker*innen, Fotograf*innen, Stylist*innen, Dekorateur*innen, Konditor*innen und vieles mehr kennenlernen. »Das war ein richtig tolles Event, aber bei der Organisation gab es auch viele Auf und Abs.«

Die Power, die Carmen als Mutter und Selbstständige in ihren Brautkleid-Laden steckt, zieht sie aus ihrer großen Begeisterung für Hochzeiten und sie kann sich nicht mehr vorstellen in ihren alten Büro-Job zurückzukehren. »Mich müsste man schon auf allen Vieren aus diesem Laden ziehen!«, sagt sie lachend.