»Sehenswürdigkeiten müssen Menschen zugänglich gemacht werden«

 

Matthias Greving ist überzeugt: Die Highlights einer Stadt müssen Teil des Alltags der Menschen sein – nur so gelingt eine Wahrnehmung. Uns hat der Gründer und Geschäftsführer von Kinescope Film berichtet, welche Bedeutung die Bremer Böttcherstraße und Sehenswürdigkeiten für ihn haben.

Text: Henry Ponty, Fotos: Leon Buchholz, Sandra Lachmann

Als ich ihn in seinem Büro im Robinson-Crusoe-Haus treffe, blickt Matthias zu Beginn des Gespräches zurück auf seine ersten Begegnungen mit der Böttcherstraße: »Ich war erst drei oder vier Jahre alt. Unsere Familie hatte ständig Menschen aus aller Welt zu Besuch – da gehörte es dazu, die Bremer Sehenswürdigkeiten und insbesondere die Böttcherstraße zu zeigen«.

Heute ist Matthias 36 Jahre alt und Gründer von Kinescope Film. Als Geschäftsführer und Produzent verbringt der kreative Kopf viel Zeit in seinem Unternehmen, das seit fünfeinhalb Jahren in der Böttcherstraße 1-3 sitzt. Im Robinson-Crusoe-Haus.

 

»Ich arbeite an Orten rund um den Globus. Trotzdem zieht es mich immer wieder zurück nach Bremen – bis heute fühlen meine Familie und ich uns hier einfach sehr wohl.«

Matthias Greving

Kinescope Film

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Schon früh ist für Matthias klar gewesen, dass »die Filmproduktion nicht irgendein Beruf, sondern seine Berufung ist«. Durch Zufälle landete er Anfang der 2000-er Jahre bei Radio Bremen und später beim NDR. Über verschiedene technische Aufgaben am Set wechselte er schließlich hinter die Kamera. »Von dort an begleitete ich unzählige Projekte, bis die Redaktionen mich fragten, ob ich es mir vorstellen könne, auch selbstständig zu produzieren. Da ich mein Unternehmen schon sehr früh gründete, fand ich die Idee super«, berichtet der gebürtige Bremer mit Begeisterung.

Inzwischen beschäftigt Kinescope Film rund 18 Mitarbeitende. Standorte in Köln und Hamburg sind hinzugekommen. Die Aushängeschilder: Nationale und internationale Spielfilme, Dokumentarfilme und Serien. Im Jahr 2015 rief Matthias das Filmfest Bremen ins Leben. Jedes Jahr zieht es bekannte Persönlichkeiten von Weltrang in die Hansestadt, wenn die Sparkasse Bremen ihren Bremer Filmpreis verleiht.

In der Böttcherstraße empfängt Matthias nationale wie auch internationale Gäste. Ein fester Termin in seinem Kalender: die jährliche Böttcherparty – mit rund 500 (!) Gästen in 2019. An jenem Abend ist die Böttcherstraße gesperrt, mit Lichterketten geschmückt und ein Geruch von Barbecue liegt in der Luft. »Die meisten unserer Gäste verbinden mit Bremen Bier von BECKs und Werder – nachdem sie bei uns waren, belegt die Böttcherstraße Platz drei. Viele Unternehmen unserer Branche sitzen in Marmorpalästen oder Funktionswaben und nicht wie wir nur 100 Meter vom Marktplatz entfernt. Alle sind positiv überrascht und fühlen sich in eine Harry Potter-Filmkulisse gebeamt«, beschreibt er lächelnd.

Matthias Geheimtipp: die Terrasse über dem Handwerkerhof, zwischen den Museen der Böttcherstraße. Für ihn habe dieser Platz etwas Erhabenes, etwas aus der Zeit gefallenes. Auch privat sei es für ihn immer wieder ein Genuss, dort zu sitzen.

 

Geschäftlich und privat unterwegs als Tourguide

Wenn er Zeit hat, lasse Matthias es sich nicht nehmen, seine geschäftlichen Gäste wie auch seinen privaten Besuch auf eigene Faust durch die Bremer Innenstadt zu führen. »Neben der Böttcherstraße, zählen für mich das Schnoor, die Schlachte an der Weser, der Markplatz inklusive Roland vor dem historischen Rathaus und natürlich die Stadtmusikanten zu den Hotspots, die man in Bremen kennen sollte«, zählt er auf. »Und es gibt noch soviel mehr.«

 

»Bürgerpark verzahnt Alltag und Sehenswürdigkeit«

Für Matthias sei es immer wieder unglaublich, was Bremen alles zu bieten habe: »Unsere Hansestadt lebt von ihren Sehenswürdigkeiten, Veranstaltungen und großen Persönlichkeiten – wir haben eine beeindruckende Kunst- und Kulturlandschaft. Die Marke Bremen könnten wir nach außen noch stärker strahlen lassen«. Außerdem sei es eine seiner Herzensangelegenheiten, die Bremer Qualitäten noch stärker in den Alltag der Bremerinnen und Bremer zu integrieren und die Sehenswürdigkeiten auch der breiten Masse näher zu bringen. Diese Verzahnung würde innerhalb Bremens für mehr Verständnis für die so wichtige und notwendige Förderung und Entwicklung von Sehenswürdigkeiten wecken.

»Ein gutes Beispiel für eine gelungene Verbindung ist der Bremer Bürgerpark – er ist für Bremer*innen genauso wie für Touristen relevant«. Ist er selbst in einer neuen Stadt unterwegs, versuche er stets, sich diese von Freund*innen oder Kolleg*innen zeigen zu lassen, die dort ansässig sind. An den großen Sehenswürdigkeiten führe für ihn aber auch dann kein Weg vorbei.

Abschließend frage ich ihn, ob er es sich vorstellen könne, in Zukunft die Böttcherstraße zu verlassen. Seine Antwort: »Nein«.